Unser Gast: FSV Optik Rathenow

Wie alles begann: Der FSV Optik Rathenow wurde am 21. Februar 1991 gegründet, kann jedoch auf Vorläufer bis in das Jahr 1906 zurückblicken. In den 1930er Jahren fusionierte die 1906 gegründete Spielvereinigung 06 Rathenow mit dem TV Jahn Rathenow zum VfL Rathenow. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden sich ehemalige Fußballer des VfL Rathenow als Betriebssportgemeinschaft (BSG) Verkehr Rathenow zusammen. Aus der BSG Verkehr Rathenow wurde 1950 die BSG Mechanik Rathenow gebildet, die seit 1953 als BSG Motor Rathenow antrat und fast ausschließlich in der Bezirksliga Potsdam spielte. Nach der Wiedervereinigung wurde der SV Optik Rathenow e.V. gegründet. Die Fußballabteilung machte sich dann 1991 als FSV Optik Rathenow selbstständig und erreichte 1994/95 die Regionalliga Nordost. Überregionale Bekanntheit errangen die Optisten mit der Teilnahme am DFB-Pokal 2013/14 (durch den Gewinn des Brandenburg-Pokals), wo man sich in der ersten Runde erst nach Verlängerung mit 1:3 gegen den damaligen Zweitligisten FSV Frankfurt geschlagen geben musste. Ein erneuter Gewinn des Landespokals und die damit verbundene Teilnahme am DFB-Pokal gelangen im Folgejahr. Doch auch in dem Jahr blieb die Überraschung aus, und man zog in der ersten Runde mit 1:3 gegen den Zweitligisten FC St. Pauli den Kürzeren. Jedoch wurde der 60 Jahre gültige Zuschauerrekord gebrochen, denn 5.000 Fans sorgten erstmals für ein ausverkauftes Stadion Vogelgesang.

Stadion: Der FSV Optik Rathenow trägt seine Heimspiele im Stadion Vogelgesang aus. Nach einem Umbau, der sich von 2006 bis 2009 erstreckte, bietet das Stadion Platz für 5.000 Zuschauer/-innen, davon 4.850 Stehplätze und 150 Sitzplätze (beides teilweise überdacht). Die Geschichte des Stadions begann um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert als Trabrennbahn. Die damals typische Holztribüne war für 400 Zuschauer ausgelegt. Fast ein Jahrhundert überstand der Zuschauerrang. 1994 randalierten bei einem Spiel der Regionalliga Nordost zwischen den Optisten und dem 1. FC Union Berlin Zuschauer/-innen der Gastmannschaft auf dem Holzbau. Die Schäden waren erheblich und das zuständige Bauamt schloss zunächst den Rang und ließ ihn einige Wochen später wegen Baufälligkeit abreißen. Einzig verblieben war der unter der Tribüne liegende Sozialtrakt. Dieser war in einem ebenfalls schlechten Zustand und mit Schimmel durchzogen. Da es keine Alternative gab, musste er von den Jugend- und Herrenmannschaften des FSV Optik Rathenow bis 2006 weiter genutzt werden. Im Februar 2006 wurden mithilfe von Geldern aus einem Förderprogramm des Landes Brandenburg, die Umbauarbeiten am Volkssportpark Vogelgesang gestartet. Das Hauptaugenmerk wurde auf den Bau eines neuen Sozialtraktes, die Anlage eines Kunstrasenplatzes sowie die Umzäunung des Geländes gelegt. Der geplante Bau eines neuen Zuschauerranges musste aus finanziellen Gründen zunächst unterbleiben. Das Vorhaben konnte aber im folgenden Jahr verwirklicht werden. Der Rang besteht aus zwei Teilen links und rechts des neuen Sozialgebäudes. Zuvor wurde die Aschenbahn um das Spielfeld entfernt. Nach der Haupttribüne wurde ein Jahr später auch die Gegengerade erneuert und teilweise mit einem Dach versehen. Des Weiteren entstand auf dem rechten Teil der Haupttribüne ein V.I.P.– sowie ein Presseraum. 2017 erhielt das Stadion Vogelgesang eine Flutlichtanlage. Die Kosten beliefen sich auf 400.000 Euro, von denen 200.000 das Land Brandenburg, der Landkreis Havelland 100.000 sowie jeweils 50.000 Euro die Stadt und ein Konjunkturpaket übernahmen. Zu den ersten drei Heimspielen der laufenden Saison kamen durchschnittlich 427 Zuschauer/-innen.

Sportlich: Die abgebrochene Saison 2020/21 beendete der FSV Optik Rathenow mit 11 Punkten aus 13 Saisonspielen auf Platz 19. Insgesamt blieb unser Gast in zwei Spielen erfolgreich, sechs Spiele gingen verloren und fünfmal wurde Unentschieden gespielt. Dabei wurden 15 Tore geschossen und 25 Tore kassiert. Das Saisonziel lautet Klassenerhalt und der Kader (21 Spieler, Durchschnittsalter 22,9 Jahre) für die neue Spielzeit 2021/22 setzt auf junge Spieler ergänzt durch erfahrene Führungsspieler. Im Tor steht Lucas Hiemann (22). Ausgebildet beim Chemnitzer FC steht der Keeper seit 2019 im Tor der Optisten. In der Abwehr halten Marc Langner (30, seit 2016 in Rathenow, vorher Rot-Weiß Erfurt) und Benjamin Wilcke (31, seit 2012 in Rathenow, vorher TeBe) den Laden zusammen. Ergänzt durch Glodi Zingu (27, seit 2019 in Rathenow, vorher Rot-Weiß Erfurt, FC Viktoria Berlin, Hertha BSC II) und den beiden Talenten Justin Marcel Gröger (18, Hallescher FC) sowie Robin Techie Menson (22, seit 2018 in Rathenow, vorher Hallescher FC, FC Viktoria Berlin) versuchen sie die Gegentorquote niedrig zu halten. Im Mittelfeld ist Kapitän Jerome Leroy (31, seit 2012 in Rathenow) Dreh- und Angelpunkt der Optisten. Ihm zur Seite stehen u.a. die jungen Spieler Vassilios Polichronakis (20, seit 2020 in Rathenow, vorher SV Wehen-Wiesbaden), Nicola Köhler (22, seit 2020 in Rathenow, vorher Hanauer FC), Emil Gustavus (20, seit 2020 in Rathenow, vorher VSG Altglienicke) und Neuzugang Max Bell (20, FC Homburg). Kurzfristig nachverpflichtet wurde Emir Sejdovic (21) vom FSV Frankfurt. Im Sturm setzt der FSV Optik Rathenow komplett auf die Jugend. Jonathan Muiomo (22, zwei Tore, seit 2019 in Rathenow, vorher SpVgg Greuther Fürth II) ist bisher bester Torschütze. Ihm zur Seite steht Neuzugang Kimbyze-Kimby Januario (21, ein Tor, Germania Halberstadt). Ebenfalls einmal eingenetzt hat Neuzugang Johannes Pistol (19, FC International Leipzig). Noch ohne Torerfolg ist Lucas Will (22, seit 2020 in Rathenow, vorher VfB Lübeck II). Der Saisonauftakt ist nach sechs Spieltagen durchwachsen. Die Opisten stehen mit fünf Punkten auf Platz 14 der Tabelle. Ließ der Auswärtspunkt am ersten Spieltag bei der VSG Altglienicke (1:1) zu Recht Freude aufkommen, wurde diese durch die folgenden Niederlagen gegen Lok Leipzig (0:3) und FC Energie Cottbus (0:1) etwas eingetrübt. Im Heimspiel gegen den Aufsteiger FC Eilenburg (1:1) reichte es nur zu einem Unentschieden und bei Germania Halberstadt (0:2) folgte die nächste Niederlage. Im Heimspiel gegen den ZFC Meuselwitz (2:1) platzte nun der Knoten und der erste Saisonsieg wurde eingefahren. Im Landespokal Brandenburg steht in der zweiten Runde am 4. September die Auswärtsaufgabe beim FSV Union Fürstenwalde an. Cheftrainer(Legende) und Geschäftsführer in Personalunion ist Ingo Kahlisch (65), der sich anlässlich seines 65. Geburtstages am 5. August 2021 ins Goldene Buch der Stadt Rathenow eintragen durfte. Dies vor dem Hintergrund, dass er mit anderen Mitstreiter/-innen beginnend mit dem ersten Aufstieg in die Regionalliga 1994, abgesehen von kurzen Unterbrechungen, in Rathenow dauerhaften Regionalligafußball sportlich und organisatorisch mit bescheidenen Mitteln etabliert hat.

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.