Interview Momar Njie

Am 01.01.2020 habt Ihr als Trainerteam die Mannschaft, als Aufsteiger in die Oberliga-Nord Ost übernommen. Was habt Ihr vorgefunden?

Wir haben eine Mannschaft vorgefunden, die richtig Qualität hatte. Von daher mussten wir nicht viel ändern. Wir haben allerdings einige Spieler ergänzt, u.a. kamen Pascal Wedemann, Enis Aydin, Faruk Sentürk zur Mannschaft. Aber wir mussten die Mannschaft erst einmal fit bekommen, da waren doch Defizite erkennbar. Mit einer guten Fitness hat der Spieler den Kopf frei und kann dementsprechend den Fußball spielen, der erwartet wird. Die zweite Stellschraube an der wir noch etwas drehen mussten, war das Selbstwertgefühl und das Selbstvertrauen der Spieler, u.a. haben wir viele Stresssituationen mit dem Ball trainiert, die immer gut gelöst wurden. Den Effekt hatten wir dann beim Viertelpokalspiel gegen den BFC Dynamo am 12.02.2020 gesehen. Wir haben zwar durch einen Konter in der 83. Minute leider mit 0:1 verloren, konnten allerdings mit der Schnelligkeit und der Ausdauer gut mithalten, was eine gute Grundlage für die kommende Saison war.

Wie wurde die Saison 2020/21 geplant?

Dass wir in dieser Saison oben angreifen wollten, hatten wir schon geplant. Einen klaren Aufstieg haben wir nach außen nicht kommuniziert. Uns war aber klar, dass wir mit einem guten Start auch um die Meisterschaft mitspielen könnten. Von daher war die ganze Vorbereitung darauf ausgerichtet, dass wir zum ersten Spieltag alle Spieler fit hatten.

Nach dem sehr guten Start haben wir allerdings nachgelassen, was beim Auswärtsspiel bei Victoria Seelow schon bemerkbar war und sich dann mit zwei Niederlagen in Folge offenbarte. Das wurde mit der Mannschaft intensiv besprochen. Leider konnten wir die Wende mit dem Spitzenspiel in Greifswald nicht umsetzen, da das Spiel, wie auch dann die ganze Saison, abgesagt wurde.

Uns hat dann das Glück geküsst. Der Aufstieg in die Regionalliga Nord Ost war eine Entscheidung am grünen Tisch und wir nehmen diese dankbar, aber auch demütig an. Eine Saison als Staffelsieger zu beenden fühlt sich natürlich besser an. Wir müssen nun beweisen, dass wir wirklich eine Regionalmannschaft geworden sind. Wir haben uns den Aufstieg ja nicht mit den 32 Punktspielen erspielt.

Wie wurde für diese Saison der Kader zusammengestellt?

Wir hatten schon seit längeren Kontakt zu einigen Spielern gehabt, deren Spielweise war uns bekannt. Eine direkte Beobachtung von neuen Spielern war ja leider nicht möglich und ein scouting ist in dieser Liga auch nicht üblich.

Zusätzlich hatten wir Kontakt zu anderen Trainern gehabt. Durch deren Empfehlungen haben wir Spieler zum Probetraining eingeladen.

Beim Probetraining haben wir den Spielern keine Vorgaben gegeben, sondern haben diese gleich in unseren Trainingsplan integriert, z.B. konnten wir bei Passspielstafetten schon einiges erkennen. Durch die lange Trainingspause hat es zwar etwas länger gedauert, aber das ist wie beim Fahrradfahren. Auch während der Trainingsspiele sind auch die Laufwege der Spieler aussagekräftig.

Leider haben uns auch einige Spieler aus persönlichen, oder beruflichen Gründen verlassen. Diese sind nur schwer ersetzen können, wie z. B. Enis Aydin, Nicola Thiele und Faruk Sentürk, Panajiotis Haritos.

Wie beurteilst Du die Freundschaftsspiele im Rahmen der Vorbereitung?

Bei den meisten Freundschaftsspielen, wie auch schon in der Vorsaison, haben wir verloren. Wir legen aber überhaupt keinen Wert auf das Resultat. Aber wir müssen sehen, dass die Spieler gewisse Vorgaben umsetzen, auch legen wir Wert darauf, dass die „Blöcke“ funktionieren. Das zeigt sich u.a. an der Spieleröffnung, oder auch am Übergangsspiel da sind wir wirklich auf einem guten Weg. Wir haben Freundschaftsspiele nur gegen unterklassige Mannschaften gespielt, da es im näheren Umfeld sonst nur Regionalmannschaften gibt, gegen die wir dann im Punktspiel antreten müssen, haben wir uns für diesen Weg entschieden.

Ist für diese Saison noch ein Trainingslager geplant?

Ausschlaggebend für ein Trainingslager ist neben dem finanziellen Aspekt u.a. auch die Tabellensituation. Wenn wir irgendwo im Mittelfeld stehen sollten, halte ich das für nicht notwendig.

Wo siehst Du den SV Tasmania Berlin am Ende der Saison?

Wir wären absolut glücklich, wenn am Ende der Verbleib in der Liga steht. Dafür müssen wir in der Hinrunde gut punkten. Denn die Rückrunde wird es in sich haben. Die Plätze werden zum Jahreswechsel tief und seifig sein, was den Mannschaften mit professionellen Ansetzen zu Gute kommt. Da wird sich die Quantität der Trainingseinheiten bezahlt machen. Trotz der Widrigkeiten in der Vorbereitung und trotz den schwierigen Rahmenbedingung, wünsche ich mir für alle Spiele, dass wir als eine geschlossene Einheit auftreten und auch als solche wahrgenommen werden. Der Kampf muss da sein und auch wenn es abgegriffen klingt: „Wir wollen zeigen, dass wir Neuköllner sind mit denen nicht zu spaßen ist“ und so müssen wir uns präsentieren.

Erschwerend kommt natürlich auch hinzu (wie für einige anderen Teams), dass wir unsere ersten Heimspiele nicht bei uns im Sportpark austragen können. Allerdings sind wir den anderen Bezirksämtern äußerst dankbar, dass wir überhaupt andere Stadien nutzen dürfen.

Wie schätzt Du die Regionalliga Nord-Ost ein?

Aus meiner Sicht befinden wir uns in einer Grauzone zwischen dem Profi- und dem Amateurbereich. Ich persönlich finde, dass es die interessanteste Regionalliga in Deutschland ist. Mehr Tradition geht nicht… Rekordmeister BFC sowie Carl Zeiss Jena und Lok Leipzig, die Endspielteilnehmer des UEFA Pokalsiegerwettbewerb. Mit TeBe, Energie Cottbus und Tasmania kommen ehemalige Bundesligisten hinzu.

Allerdings haben wir auch hier eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Was in den anderen Bundesländern aufgrund der gegebenen Infrastruktur und der lokalen Unterstützung möglich ist, damit können Berliner Vereine kaum mithalten. Wie auch bei den finanziellen Rahmenbedingungen, welche den Vereinen natürlich einen größeren Handlungsspielraum bietet. Doch allein gegen Teams wie BFC, Jena, Chemnitz, Cottbus und den VfB Leipzig zu spielen sollte jedem eine Gänsehaut verschaffen. Ich persönlich freue mich auf Babelsberg, Chemie, TeBe und Lichtenberg am meisten! Liegt an Bezug zum jeweiligen Verein (TeBe, L47) oder die politische Haltung und Stimmung der Fans, welche mir SEHR sympathisch ist.

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